Ein Dokumentarfilm präsentiert reichlich Argumente für das Grundeinkommen

Nicht alle können, was sie wollen

Einige Iren wollen es, ein Viertel der Schweizer auch, und die Finnen können es schon mal üben: Das Bedingungslose Grundeinkommen gewinnt in Europa, wenn auch noch nicht die Mehrheit, so doch eine wachsende Zahl von Befürwortern. So zeigt es jedenfalls die Autorin Nicki Brock im Raschplatzkino unter dem programmatischen Filmtitel “Können und Wollen statt Müssen und Sollen.” Adrienne Goehler, Psychologin aus Berlin, hat dieses Wort kreiert. Für sie ist das Grundeinkommen vor allem ein emanzipatorisches Projekt, für alle Menschen, die von existenziellen Nöten befreit ihren selbstbestimmten Beitrag für kleine und große Gemeinschaften leisten wollen.

In gut 90 Minuten kommen viele Männer und drei Frauen zu Wort, die der Idee zustimmen wollen. Bis auf einen Schweizer Unternehmer und einen Politiker der FDP, die entweder die Finanzierbarkeit in Zweifel setzen oder philosophisch meinen, dass es gar nichts Gutes geschenkt und ohne Gegenleistung geben kann.

Immerhin regt der FDP-Mann vor der schönen Kulisse am Starnberger See in redlichem Bemühen um alternative Vorschläge an, bei absehbaren Verlusten an Arbeitsplätzen – wegen der Digitalisierung – über die Halbierung der Arbeitszeit und die Neubewertung des Arbeitsbegriffes nachzudenken. Damit ist er schon nahe an den Befürwortern, die immer wieder hervorheben, dass eine neue Zeit anbricht, wenn die Menschen existenziell abgesichert sind und sich die Arbeit endlich entsprechend ihren Neigungen auswählen können.

Nach dem Film diskutieren Regisseurin Nicki Brock und Pastor Matthias Jung mit Moderator Felix Kostrzewa (im Bild links, vom veranstaltenden Wissenschaftsladen Hannover e.V) über Anregungen der etwa 80 Zuschauerinnen und Zuschauer. Bei aller durchscheinenden Sympathie für die Idee an sich gibt es doch mehrere skeptische Stimmen, die sich vor allem auf die vorherrschende Arbeitsethik beziehen und in Zweifel setzen, ob die Bedingungslosigkeit eines Grundeinkommens mehrheitsfähig ist.

BK 190414

Autor Bernd Kirchhof

Dem setzen Befürworter entgegen, dass sich die Menschen, die sich näher mit der Idee befassen, eine wachsende Neigung entwickeln, im Grundeinkommen die geeignete Lösung für aktuelle und zukünftige gesellschaftliche Probleme zu sehen.  (Hier ist ein Trailer zu sehen: https://www.youtube.com/watch?v=iBMXWxxQvsQ)

April 2018