Drei Mio. Euro Förderung für neue Forschungsgruppe der Universität Jena zum Thema „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“

Kann das Denken in natürlichen Zyklen den Wachstumswillen ablösen?

Die Tage fossiler Rohstoffe als Energielieferanten und Basismaterialien der Industrie sind gezählt. Die Endlichkeit von Kohle, Erdöl und -gas sowie das Gebot zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen führen dazu, dass Deutschland und die meisten anderen Industrienationen in Zukunft auf erneuerbare Rohstoffe setzen. Welche gesellschaftlichen Veränderungen mit dieser Wende hin zu einer Bioökonomie einhergehen, das untersuchen ab dem 1. März Soziologinnen und Soziologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena im Rahmen einer neuen Nachwuchsgruppe. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert die sieben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Institut für Soziologie im Rahmen des Programms „Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel“ in den kommenden fünf Jahren mit rund drei Millionen Euro.

Um dem nachzugehen, führen die Jenaer Soziologinnen und Soziologen unter anderem Fallstudien in verschiedenen Regionen Europas durch, in denen bereits ein Wandel hin zur Bioökonomie stattfindet. „Wir konzentrieren uns beispielsweise auf sogenannte Bioenergiedörfer in Deutschland, schauen uns die Holzindustrie in Finnland an, die ein zentraler Bestandteil der Bioökonomiestrategie des Landes ist, und untersuchen gesellschaftliche Entwicklungen in Estland, wo seit dem Zusammenbruch der industrialisierten sowjetischen Landwirtschaft der private Obst- und Gemüseanbau eine elementare Funktion in der Versorgung des Landes eingenommen hat“, informiert der Gruppenleiter. Dabei stellt sich die Frage, ob die Erfahrung dieser wirtschaftlichen Veränderungen auch die Weltsicht der Menschen und damit ihr Zusammenleben beeinflusst hat. Im dritten Jahr soll dann in einer eigenen repräsentativen Bevölkerungsbefragung erforscht werden, wie weit unterschiedliche Einstellungen zum bioökonomischen Wandel in der deutschen Bevölkerung verbreitet sind.

Um ihre Arbeit zugänglich zu machen, wollen sich die jungen Jenaer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler immer wieder an die Öffentlichkeit wenden, sich in aktuelle Diskussionen einmischen und regelmäßig über ihre Forschung berichten. „Wir planen Workshops, bei denen wir den Menschen an den Orten der Studien unsere Arbeit vorstellen und dadurch möglicherweise die Reflexion der eigenen Situation unterstützen“, sagt Eversberg. „Zudem wollen wir hierzulande mit Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Nichtregierungsorganisationen ins Gespräch kommen und unsere Ergebnisse zur Diskussion stellen.“ So könnten diese beispielsweise in politische Prozesse – etwa bei der Gestaltung regionalen Strukturwandels – einfließen.


veröffentlicht im idw, 12. Februar 2019; das Foto zeigt den Leiter der Nachwuchsgruppe, Dr. Dennis Eversberg vom Institut für Soziologie der Universität Jena. (Aufnahme: Anne Günther/FSU)

Wissenschaftlicher Ansprechpartner:
Dr. Dennis Eversberg
Institut für Soziologie der Universität Jena/Kolleg Postwachstumsgesellschaften
Humboldtstraße 34, 07743 Jena
Tel.: 03641/945039
E-Mail: dennis.eversberg[at]uni-jena.de