Krautreporterin Esther Göbel beschreibt "die Welt, wie sie wirklich ist"

In der Dollar Street erlauben 264 Familien in 50 Ländern den fotografischen Blick auf ihren Alltag

Netzzitat Krautreporter, 9.5.2019, verlinkt auf Dollar Street

Krautreporter Christian Fahrenbach lebt in New York und liefert den Abonnenten des täglichen Newsletters Links auf seine Auswahl von drei aktuell wichtigen Themen. Dazu kommt jeden Tag ein “Fundstück”, das er bei seiner Arbeit als Redakteur aus der internationalen Nachrichtenflut filtert. Heute, Donnerstag, 9.Mai, stellt er die Frage: Wer möchte denn bitte nicht wissen, “Wie uns Fotos von Toiletten dabei helfen können, unsere Vorurteile abzubauen“? Krautreporterin Esther Göbel stellt das faszinierende Projekt Dollar Street vor, für das  Familien auf vier Kontinenten den fotografischen Blick darauf erlaubt haben, wie sie leben, und offen erzählt haben, wie viel Geld sie monatlich zur Verfügung haben. Textauszug:

Anna Rosling Rönnlund steht hinter dem Projekt, mit Fotos die Alltagswelt zu zeigen. Sie ist die Schwiegertochter von Hans Rosling, dessen Buch Factfulness den Anstoß für diese Serie gegeben hat. Genau wie ihr Schwiegervater stellte sich auch Anna Rosling Rönnlund die Frage: Wie können wir unsere Welt verstehen? Und sie besser für andere verständlich machen?

Eine Sache wird deutlich: Das Einkommen hat einen großen Einfluss darauf, wie wir leben – vielleicht sogar einen stärkeren als Kultur oder die geografische Herkunft. Wer am linken Ende der Dollar Street lebt, muss unter ziemlich schlechten Bedingungen auf die Toilette gehen, wohingegen die Menschen auf der rechten Seite der Dollar Street nur einige Schritte in eines ihrer Badezimmer machen müssen und dezent die Tür hinter sich schließen können.

Wer jetzt denkt, dieses Fazit sei banal (natürlich beeinflusst Geld unser aller Leben), hat noch nicht zu Ende gedacht: Die eigentliche Erkenntnis aus dem Dollar-Street-Projekt ist, wie die vermeintliche Ferne zwischen Menschen in unterschiedlichsten Kontexten schwindet, sobald man die Kategorie der Betrachtung verschiebt.

Als Anna Rosling Rönnlund auf einem Vortrag ihr Projekt erklärte, sagte sie einmal: „Wir benutzen diese Fotos als Datensätze, um mit Länder-Stereotypen aufzuräumen. Denn wenn du diese Bilder betrachtest, fällt dir auf: Die Menschen, die in deinem Einkommenssegment liegen, leben auf eine ähnliche Weise wie du.“

Sätze wie „In Afrika leben alle Menschen in ärmlichen Verhältnissen!“ oder „Eine Frau aus China lebt doch ein ganz anderes Leben als ich!“ machen keinen Sinn, das zeigt Rönnlunds fotografischer Datensatz – so wie Verallgemeinerungen niemals Sinn machen. Wir alle sind uns näher, als es zunächst den Anschein hat.


Bisherige Folgen von „Sieh die Welt, wie sie wirklich ist“:


Im oben verlinkten Vortrag, den Anna Rösling Rönnlund beim Future Day (veröffentlicht im Juli 2018) gehalten hat, erzählt sie über den Anstoß zu ihrer Arbeit und verweist auf das Projekt Gapminder , das sich selbst so erklärt:

Gapminder is an independent Swedish foundation with no political, religious or economic affiliations. Gapminder is a fact tank, not a think tank. Gapminder fights devastating misconceptions about global development. Gapminder produces free teaching resources making the world understandable based on reliable statistics. Gapminder promotes a fact-based worldview everyone can understand.  Gapminder collaborates with universities, UN, public agencies and non-governmental organizations. All Gapminder activities are governed by the board. We do not award grants. Gapminder Foundation is registered at Stockholm County Administration Board. Our constitution can be found here.erwähnt