Klaasohm – Bilderseite

 

Das „Opa sein klein Häuschen“ ist ein Kellerlokal im Ortszentrum von Borkum. Hier habe ich Grote und Piefke zum ersten Mal gesehen. Auf der Fähre hatte mir ein Einwohner des Inselortes – spürbar distanziert – von dem merkwürdigen Brauch erzählt, der darin besteht, dass maskierte junge Männer von Theken und Tischen springen und manchmal junge Mädchen verhauen. Das Opa ist ein niedriger Raum, sodass der Thekensprung eher einem Sinken in die Arme von Freunden gleicht – aber das war ja nur der erste Eindruck. Vor der nächsten Station nahe dem „Opa“ versammeln sich Jugendliche und auch einige junge Frauen, die offenbar genau wissen, worauf sie hier gefasst sein müssen. Meine Videoaufnahmen lassen nur schemenhaft erkennen, wie zwei Frauen festgehalten werden und wie sie von Grote mit einem Horn Schläge aufs Hinterteil erhalten. Das habe ich nur an dieser Stelle beobachten können. Währenddessen übt Piefke schon mal den Sprung aus etwas größerer Höhe. Der Tross der Borkumer Jungen zieht weiter, angefeuert von jungen Frauen im Haus an der Strandstraße. Dem mehr als 150 Jahre alten Verein dürfen nur eingeborene Jungen mit 16 beitreten und als Männer müssen sie den Klub am Tag ihrer Hochzeit verlassen. Im Treffpunkt Bismarckstraße gerate ich zufällig in den Trubel, drücke mich in eine Ecke und filme das muntere Treiben. Bei allem Trubel wird erkennbar, dass es ordnende Hände gibt, die die Figuren leiten und Regie führen.
Diesmal fällt Piefkes Sprung von der Theke schon etwas mutiger aus. An der nächsten Station vor der kleinen Bäckerei an der Fanz-Habich-Straße müssen die Fänger volle Leistung zeigen. Grote und Piefke springen aus fast drei Metern Höhe mit Anlauf in die Arme der Kumpel. Das sieht ganz so aus, als hätte die Gruppe den Ablauf ordentlich trainiert.
Während also die ständig in Hörner blasenden Gruppen junger Leute offensichtlich dem Alkohol zugetan sind, wirken die Hauptakteure – insbesondere auch die Fänger – bei aller Ausgelassenheit nüchtern und voll konzentriert. Wenn sie am Ende des Tages auf dem Platz ankommen, auf dem Hunderte Borkumer auf den Höhepunkt warten, sind die Hauptdarsteller mindestens fünf Stunden, wahrscheinlich länger, durch die Straßen gezogen. Vermutlich haben sie einige Dutzend Mal Grote und Piefke aufgefangen, unfallfrei.